Wladimir's Weblog
20 01 2009 Für Mehrstaatlichkeit anstelle des Nationalstaates
Im aktuellen Gasstreit wird meine russische Heimat erneut wie in Zeiten des Kalten Krieges dämonisiert. Das ist verdammt schade, aber gut nachvollziehbar. Denn genau wie früher haben sich in neuem postsozialistischem Russland die Wirtschaft und die Politik in einander verliebt und sind zusammengewachsen.
Aus dieser Beziehung kam nie etwas Vernünftiges raus, weder eine starke Wirtschaft noch eine stabile Politik. Es kommt nur eins dabei raus - die Ideologie des Nationalstaates, die alle Menschen in die gleiche Kiste packt.
Diese Ideologie hat in der heutigen Welt auf Dauer keine Überl...
Von: Wladimir Kaminer
6 01 2009 Der Nachfolger
Letztens kam ein Landsmann, jung und relativ nüchtern, mit glühenden Augen. Er lehnte sich an den DJ-Pult und rief:
„Du bist doch dieser Schriftsteller, nicht?“
„Ja, ich bin‘s, „gab ich zu und dachte, wir trinken jetzt einen.
„Brauchst Du einen Nachfolger?“ fragte mich der Junge.
„Wie bitte?“ Ich verstand ihn nicht.
„Was würdest Du sagen, wenn ich ein Buch schreibe, das alle deine Bücher zunichte macht. Ich habe deine zwar nicht gelesen, aber glaube mir, wenn ich ein Buch schreibe, wird es ein Hammerbuch sein, ein Weltbestseller, ich kenne Geschichten... die ganze Welt wird vor ...
Von: Wladimir Kaminer
19 11 2008 Auch die Russen
Letztens bin ich in Moskau über eine Veränderung der dortigen Mentalität gestolpert. Die für ihre Grimmigkeit bekannten und deswegen von den Ausländern bewunderten Russen grüßen. Sie grüßen in Geschäften, in Hotels, manchmal sogar auf der Straße. Sogar die Polizisten, die uns immer völlig grundlos angehalten haben, um ihre unstillbare Sehnsucht nach Korruption zum Ausdruck zu bringen, grüssten uns plötzlich ausgiebig und wünschten einen guten Tag, bevor sie nach Geld und Ausweisen verlangten.
Die jungen Frauen hinter den Verkaufstresen schauten nicht mehr wie früher zu Boden oder zur Decke, ...
Von: Wladimir Kaminer